Der Gemeinderat Sevelen hat die Anfrage der Liechtensteiner Regierung zu einer Park&Ride-Anlage auf Seveler Gebiet behandelt. Der Regierung des Fürstentums Liechtenstein wurde ein Schreiben mit folgendem Inhalt übermittelt:
Der Gemeinderat Sevelen hat die Angelegenheit rund um die Idee einer Park&Ride-Anlage auf Seveler Gemeindegebiet zu Gunsten der Verkehrssituation Richtung Vaduz und Triesen-Nord an seiner Sitzung vom 27. August 2007 behandelt. Zuvor wurde die Angelegenheit am 20. August 2007 mit den Seveler Ortsparteien erläutert.
Der Gemeinderat sieht das Problem des Aufkommens des motorisierten Individualverkehrs auf der Achse Sevelen-Vaduz als zunehmend an. Auch die Verkehrssituation der Autobahnaus- und einfahrten gestaltet sich zunehmend problematisch. Dabei ist festzuhalten, dass sich nahezu sämtlicher Verkehr Richtung Liechtenstein bewegt.
Die Idee einer Park&Ride-Anlage auf Seveler Gemeindegebiet stammt von einem privaten Investor. Eine Fortsetzung dieser Idee würde und müsste in einem PPP-Projekt (Private Public Partnership) enden. Die nach Erachten des Gemeinderats zwingenden Voraussetzungen für die Wirksamkeit einer solchen Anlage sind vielfältig. Drei davon sollen hier ausführlicher erläutert werden:
Umgestaltung des öffentlichen Verkehrs
Der öffentliche Verkehr auf der Achse Sevelen-Vaduz staut sich heute zusammen mit dem motorisierten Individualverkehr. Damit ist die Attraktivität stark eingeschränkt. Täglich pendeln rund 600 Personen von Sevelen nach Liechtenstein. Die Buslinie 11 der Liechtenstein Bus Anstalt (LBA) ist nach letzten Kenntnissen mit jeweils rund 80 Pendlern besetzt. Dies zeigt klar auf, dass die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs gesteigert werden muss. Als vordringlich erachtet der Gemeinderat dabei die Gestaltung der Fahrbahnen für eine ungestörte Fahrt der Busse (eigene Fahrspur, Ausbau der Rheinbrücke, ‚Bypass’ im Bereich Kreisel der alten Rheinbrücke Richtung Vaduz-Triesen Nord, Verbreiterung der Strassen wo notwendig etc.). Ein zeitlicher Vorteil ist zweifelsohne ein Hauptgrund, um ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Ein attraktiver Fahrplan und gut gelegene Einsteige- wie Aussteigemöglichkeiten sind ein weiteres. In allen Bereichen besteht vor Errichtung einer Park&Ride-Anlage Handlungsbedarf.
Im Weiteren ist die bessere Anbindung an die SBB-Bahnhöfe, namentlich an den Bahnhof Sevelen, eine weitere Voraussetzung. Gerade mit dem Angebot der Thurbo-Züge wurden hier sehr gute Voraussetzungen geschaffen. Das Projekt befindet sich noch in der dreijährigen Versuchsphase. Der Gemeinderat Sevelen und die Region Werdenberg sind zuversichtlich, dass die notwendigen Passagierzahlen für den Übergang des Versuchsbetriebs in einen definitiven Betrieb erreicht werden. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs ab den SBB-Bahnhöfen seitens der LBA würde hier einen entscheidenden Vorschub leisten.
Die Kadenz des Wegführens von den Bahnhöfen, aber auch aus einer Park&Ride-Anlage müsste entsprechend hoch angesetzt werden. Dies bedeutet, dass sowohl Fahrzeuge wie das dazu notwendige Fahrpersonal vorhanden sein müssen. Denkbar ist auch die Miteinbindung von Firmenbussen. Geeignete Plätze für LBA-Haltestellen auf Seveler Gemeindegebiet stellt die Gemeinde auch weiterhin gerne zur Verfügung.
Letztlich muss die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln preislich vorteilhaft gestaltet sein.
Einschränkung der Parkmöglichkeiten in Vaduz und Triesen
Die heutige liechtensteinische Gesetzgebung geht von einer recht grosszügigen Parkplatzregelung bei Bewilligung von gewerblichen Bauten aus. Auch stehen gerade im Zentrum von Vaduz zahlreiche und günstige Ganztagesparkmöglichkeiten zur Verfügung. Dies unterläuft die Nutzung des öffentlichen Verkehrs als auch einer Park&Ride-Anlage in hohem Masse und fördert den motorisierten Individualverkehr. Hier wäre eine restriktivere Parkplatzbewirtschaftung mit entsprechend hoher Preisgestaltung für Langzeitparkierende (z.B. ab zwei Stunden) und angepasstere Bauvorschriften zwingende Voraussetzungen für das Gelingen einer Verkehrsumgestaltung. Bestehende Parkplätze müssten zudem wohl reduziert werden. Damit würde gerade bei und für Firmen und Betrieben Land für zusätzliche Bauten an teilweise hervorragender und zentraler Lage freigegeben.
Gestaltung des Langsamverkehrs
Verbunden mit der Lösung für die Problematik des motorisierten Individualverkehrs muss die Situation des Langsamverkehrs auf Seveler Seite gelöst werden. Hier ist klar das Zu- und Wegführen des Langsamverkehrs auf die alte Rheinbrücke vorzusehen. Die ‚neue’ Rheinbrücke wird somit vollständig für den motorisierten Verkehr frei. Zu bemerken ist, dass die Trottoirs heute auf Liechtensteiner Seite ohne Fortsetzung enden. Einige bauliche Massnahmen wie auch Rücksichtnahme durch den motorisierten Verkehr bei der Verkehrsführung sind hier notwendig.
Mit Freude hat der Gemeinderat Sevelen aus dem Werdenberger&Obertoggenburger vom 24. August 2007 entnommen, dass Herr Regierungsrat Martin Meyer gemäss Zitat festgehalten hat, dass Park&Ride-Standorte in Liechtenstein evaluiert werden. Dies ist nach Erachten des Gemeinderats neben der zwingenden Förderung des öffentlichen Verkehrs die richtige Vorgehensweise. Einen Standort in Sevelen für eine Park&Ride-Anlage schliesst der Gemeinderat nicht grundsätzlich aus. Zuerst müssen aber sowohl die oben erwähnten Voraussetzungen geschaffen, als auch Standorte in Liechtenstein nicht realisierbar sein.
Der Fokus muss im Sinne einer zukunftsgerichteten Verkehrsplanung aber wie erwähnt auf die unbedingte und unbestrittene Förderung des öffentlichen Verkehrs gerichtet sein. Ziel muss sein, dass motorisierte Individualfahrten gar nicht erst angetreten, sondern öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden.
Zwingend ist auch die regionale Betrachtung Werdenberg-Liechtenstein. Dies ist ein Schwerpunkt im Agglomerationsprogramm, welches dem Schweizerischen Bundesamt für Raumentwicklung bis Ende 2007 durch die Region Werdenberg zusammen mit dem Amt für Raumentwicklung des Kantons St. Gallen eingereicht wird. Eine Zusammenarbeit zwischen der Region Werdenberg und dem Land Liechtenstein mit allen involvierten Gemeinden ist für die Zukunftsgestaltung sämtlichen Verkehrs unumgänglich und letztlich gewinnbringend.
Die Gemeinde Sevelen ist jederzeit gerne bereit, an einer zukunftsgerichteten Lösung mitzuarbeiten und diese auch aktiv mitzugestalten. Die Erstellung einer Park&Ride-Anlage auf Seveler Gemeindegebiet stellt hinsichtlich der Förderung des öffentlichen Verkehrs daher eine Möglichkeit dar, welche erst beim Scheitern anderer Massnahmen in Betracht gezogen werden soll.
Gemeinderat Sevelen